Zu den wichtigsten Protokollen
zum Aufbau eines VPN-Tunnels gehören, neben den bereits
erwähnten IPsec und PPTP, auch
die Protokolle L2F und L2TP. Alle Protokolle
haben verschiedene Vor- und Nachteile, die nachfolgend gegenübergestellt
und in einer Tabelle zusammengefasst
werden.
Es sei aber bereits an dieser Stelle gesagt: unter
Sicherheitsgesichtspunkten gibt es keine Alternative zu IPsec!
PPTP (Point
To Point Tunneling Protocol) wurde ursprünglich von Microsoft und Ascend
entwickelt und ist aufgrund seiner Integration in Windows weit verbreitet. Es
handelt sich hierbei um eine Erweiterung des Point to Point Protokolls (PPP).
PPTP ermöglicht nicht nur die Übertragung von IP-Paketen, sondern auch
von IPX- und NetBUI-Paketen. Die einzelnen Pakete werden in eine modifizierte
Form des Generic Routing Encapsulation Protocol Version 2 (GREv2) verpackt
und zum Network Access Server (NAS) des ISP transportiert. Je Kommunikationspaar
kann nur ein Tunnel aufgebaut werden.
Zur Authentisierung dient PAP/ CHAP; eine Authentisierung der Tunnelenden ist
jedoch nicht vorgesehen. In PPTP sind keine Key-Management-Protokolle
implementiert.
Die Datenverschlüsselung erfolgt nach dem RC4-Verfahren mit Schlüssellängen
von 40, 56 oder 128 Bit. Eine Paket-Integritätsrüfung ist nicht implementiert.
PPTP ist nicht standardisiert, der Internet
Draft (draft-ietf-pppext-pptp-00) ist Anfang
1997 "expired".
In die Schlagzeilen ist PPTP geraten, da verschiedene Berichte
über Implementierungsdefizite bei der Schlüsselverwaltung veröffentlich
wurden!
L2F steht für
Layer 2 Forwarding und wurde von Cisco, Nortel und Shiva entwickelt.
Die sog. Multiplex-ID L2F-Header erlaubt den gleichzeitigen Betrieb mehrerer
Tunnel. Die und Client-ID erlaubt mehrere parallele Verbindungen innerhalb jeden
Tunnels. Unterstützt werden Punkt-zu-Punkt und Punkt-zu-Mehrpunkt-Verbindungen.
Neben PPP kann man mit L2F auch SLIP tunneln. Die Authentisierung erfolgt über
ein Challenge-Handshake-Verfahren.
L2F kann über unterschiedliche Paketnetze transportiert werden wie z.B. X.25,
Frame Relay oder ATM.
Es erfolgt keine Verschlüsselung der Daten!
Der zugehörige RFC 2341
hat den Stand "historic"!
L2TP vereint
die Vorteile von PPTP und L2F. Eine Tunnel-ID im L2TP-Header erlaubt den Betrieb
multipler Tunnels. NAT (Network Address Translation) wird unterstützt. Der L2TP-Tunnel
wird aufgebaut zwischen den NAS des ISP und dem VPN-Knoten (beim Anwender).
L2TP erlaubt eine Authentisierung auf der Basis von CHAP/ PAP.
Es ist keine Verschlüsselung
definiert.
L2TP ist ein Proposed Standard nach IETF (RFC
2661).
Im "Proposed Standard" RFC
3193 ("Securing L2TP using IPsec") ist eine Methode beschrieben,
um L2TP und IPsec zu kombinieren und L2TP dadurch mit der fehlenden Verschlüsselung
zu versehen.
IPsec
steht für IP Security Protocol. Als Erweiterung/ Ergänzungvon/
zu IP ist es ein Layer-3-Tunneling-Protokoll. IPsec war ursprünglich
für IP Version 6 geplant (RFCs 1825,
1826, 1827,
1828 und 1829),
ist heute jedoch (auch) vollständig für IPv4 standardisiert. Es erlaubt
(derzeit) jedoch nur die Verschlüsselung von IP-Paketen, überträgt
keine Multicasts und unterstützt - bewusst! - nur statisches Routing.
IPsec wird in den RFCs 2401
bis 2412 beschrieben, die
die o.g. RFCs abgelöst haben. Alle RFCs haben den Status Proposed Standard.
Eine Aufstellung der wichtigsten RFCs finden Sie auf meiner IPsec-Seite
Wesentliche Ziele im "Pflichtenheft" der IPsec-Definition waren, dass
sich IPsec transparent
gegenüber den Applikationen verhält und somit leicht in bestehende Netze
integriert werden kann
keine Festlegung auf bestimmte Verschlüsselungsverfahren erfolgen muss (Zukunftssicherheit!)
für die Authentisierung und die Verschlüsselung unterschiedliche Protokolle
zum Einsatz kommen, die unabhängig voneinander oder zusammen eingesetzt
werden können
es grundsätzlich möglich sein soll, IPSec um weitere Protokolle zu
ergänzen
Die Datenintegrität
und die Authentisierung des Datenursprungs wird mittels des Authentication
Headers (AH) erreicht. Der AH-Header schützt die Daten und einige Header-Teile
des zu übertragenden IP-Pakets vor Verfälschung. Dazu wird mittels bekannter
Hash-Funktionen wie MD-5 (Message Digest) oder SHA-1
(Secure Hashing Algorithmus) eine Prüfsumme aus der IP-Payload gebildet
und im AH-Header an den Empfänger übertragen. Nur wenn dieser dieselbe Prüfsumme
aus dem empfangenen Paket errechnet ist sichergestellt, dass die Nachricht während
der Übertragung nicht verändert wurde und auch nur von dem Absender stammen
kann, da nur dieser den geheimen Schlüssel für das gewählte Authentisierungsverfahren
kennt. Während es für SHA-1 Berichte über (theoretische) Security-Schwächen
gibt, gilt MD-5 als in jeder Beziehung unangreifbar. Dieser Vorteil wird jedoch
- wie so oft - über eine deutlich geringere Geschwindigkeit erkauft.
Die Verschlüsselung der Daten (Encapsulating Security Payload
- ESP) erfolgt mit einem beliebigen Schlüssel (z.B. Triple-DES, AES).
Da IPsec einerseits ein Höchstmaß an Sicherheit bietet und andererseits
der Bedarf, neben IP auch andere Protokolle (wie IPX, NetBUI) zu tunneln abnimmt,
wird es die o.g. Layer-2-Protokolle langfristig als VPN-Standard-Protokoll ablösen.
Ausführlichere Informationen zu IPsec und dessen Arbeitsweise finden Sie
auf meiner IPsec-Seite.
Als neueste Tunneltechnik wird neuerdings auch SSL (Secure Socket Layer) genutzt - weitere Infos hierzu gibt's auf meiner SSL-Seite. Aber auch hier darauf hingewiesen, dass es IPsec nicht (ganz) das Wasser reichen kann!
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