Junkbuster, Webwasher, Bannerkiller, Ad Blocker - und die Aktion "Webmaster gegen Konzerne"

oder: Wie ein kleines Programm die We(r)b(e) Welt erregt


Einsatzbereich und Arbeitsweise

Um den Websurfer vor (übermäßigen) Werbeeinblendungen aller Art und das Internet vor dem damit verbundenen (überflüssigen) Datenverkehr zu schützen, gibt es verschiedene Programme (sog. Banner Killer, Ad Blocker), die im allgemeinen direkt und lizenfrei aus dem Internet geladen werden können. Das bekannteste und wahrscheinlich auch am weitesten verbreitete Programm ist der Junkbuster, der bereits seit August 1996 existiert.
Der Junkbuster und alle vergleichbaren Programme arbeiten nach dem gleichen Verfahren: Während nicht alle der o.g. Funktionen in jedem Programm enthalten sind, läßt sich die Funktion überall abstellen, so daß auch "normal" gesurft werden kann; dies ist notwendig, da u.U. auch Nutzdaten ausgefiltert werden können. Anhand einer Statistikfunktion kann i.a. die Arbeitsweise überprüft und die Effektivität verfolgt werden.

Die Aktion "Webmaster gegen Konzerne"

Logo der "Aktion Webmaster gegen Konzerne" Vor geraumer Zeit hat nun SIEMENS ein weiteres Programm, den sog. "Web Washer" zum kostenlosen Download im Netz bereitgestellt. Daraufhin startet Peter Decker von WebHits auf Anregung von Carola (Webmaster der Hausfrauenseite die Aktion "Wash and go! - Webmaster gegen Konzerne".
Dort findet man, neben einem offenen Brief an Siemens und einer Linkliste in der man sich werbewirksam eintragen kann auch ein Forum, im dem die Wut aller (kommerzieller) Webmaster abgelassen werden kann.
Dort wird vermutet, der "Web Washer" diene der Beherrschung des Internets durch SIEMENS (und andere Großkonzerne) und dem Programm unterstellt, er verletze das Urheberrecht der Web-Seiten. Anwender, die den "WebWasher" einsetzen, werden als Web-Schnorrer bezeichnet und mit dem Ausschluß von Internetseiten gedroht. Der Küchen Kontor will auf seiner Seite zum Boykott von SIEMENS-Produkten aufrufen, während Robin Heilos von der EuroWebSpace GbR gar so weit geht und seine gesamte Einbauküche abbestellt und sein Leben lang keine SIEMENS-Produkte mehr kaufen wird, um damit SIEMENS unter Druck zu setzen.

Update - Forum geschlossen

Inzwischen allerdings ist das Forum geschlossen, vermutlich nicht nur, weil die Befürworter immer mehr in die Enge getrieben wurde, sondern auch, weil das (positive) Medien-Echo ausgeblieben ist, wie es auch der letzte Post bemerkt.

Zusätzlicher Gegenwind

Stattdessen haben sich neue Seiten im Netz etabliert, die kritisch mit der Aktion umgehen! So hat Dumpfbacke.De eine regelrechte Gegenaktion unter dem Titel "Wash And Stay" gestartet.

Ein paar Worte zum WebWasher

Inzwischen bin ich von meinem alten Programm auf den WebWasher umgestiegen. Die Arbeitsweise und Stabilität ist sehr gut. Auch die Hotline ist kompetent und antwortet auf E-Mail-Anfragen umgehend. Außerdem scheinen die SIEMENS-Entwickler fleißife Leute zu sein, da regelmäßig Updates mit erweiterten Funktionen zur Verfügung gestellt werden.
Besonders gut gefällt mir die Funktion/ Möglichkeit, das Programm auch als Proxy für andere Rechner innerhalb eines Intranetzes zur Verfügung stellen zu können. So können gerade in großen Firmen-Netzen viele Gigabyte an unnötigem Datenverkehr verhindert werden. Eine Tatsache, die sich bei volumentarifierten Standleitungen am Ende eines Monats direkt in bare Münze auszahlt und zusätzlich den einen oder anderen Ausbau von Leitungskapazität verhindert (oder zumindest verzögert).

Meine Meinung

Eines vorweg ...

... es ist unbestritten, daß es fleißige (Freizeit-)Webmaster gibt, die viel Zeit investieren um der Web-Gemeinde ein interessantes, aufwendiges Angebot kostenlos zur Verfügung stellen. Es leuchtet ein, daß diese Idealisten, neben der Zeit, die sie für die Erstellung und Pflege ihres Angebotes investieren, nicht auch noch die Kosten für Web Space und/ oder Bandbreite bezahlen wollen und daher auf Einnahmen durch Werbung/ Banner angewiesen sind.

Es ist aber auch unbestreitbar...

..., daß es kommerzielle Seiten gibt, die nur aus Gründen der Gewinnoptimierung ihr Angebot mit Bannern und Wasserzeichen (z.B. Geocities) oder Pop Up Windows (z.B. Angebote bei Notrix oder neuerdings bei Schlund und Partner) zupflastern. So hat Geocities schon früher jahrelang Webspace angeboten und sich mit einem kleinen Banner (oder besser: Logo) zufrieden gegeben - und S&P hat ebenfalls die Publicity durch einen kleinen Hinweis gereicht. Und dann gibt es noch die (privaten) Homepages, bei denen man sich erst durch einen Wust von Bannern durchkämpfen muß - bevor man das eigentliche "Angebot" findet.
Bei dieser Gelegenheit, möchte ich mich an dieser Stelle - auch im Namen meiner Besucher - nochmals bei meinem Provider "BuBiS" bedanken, der mir die 20 MB für diese Seite absolut kostenlos und bannerfrei zur Verfügung stellt!

Deshalb ist es gut ...

... daß es solche Programme wie den WebWasher gibt. Sie stellen sozusagen die "Waffengleichheit" zwischen Administratoren und Surfern wieder her - oder erleichtert dies dem Surfer zumindest. Schließlich könnte jeder Anwender, ohne Bannerkiller durch Abschalten von Java Script und "Autoload Pictures" ebenfalls vor Werbemüll schützen! Und da es diese Möglichkeit schon immer gab und auch der "Web Washer" nicht das erste Programm ist, daß dem Anwender diese Möglichkeit gibt, verstehe ich das Geschrei und die Aktion herzlich wenig. Es erinnert mich etwas an die Reaktion der Rüstungsindustrie, wenn es darum geht, den Verteidigungshaushalt zu kürzen; dann wird sofort mit Arbeitslosen und dem Untergang des Vaterlandes gedroht.
Bannerkiller erfordern vielleicht von den Administratoren, daß sie kreativer werden und ihre Inhalte interessanter gestalten. Und selbst, wenn der eine oder andere Anbieter auf der Strecke bleiben würde, wäre das nicht vielleicht sogar ein Beitrag zu Entkommerzialisierung des Web und damit zur Web-Hygiene; denn ehrlich: Wer braucht schon den 104. Banner-Exchange, die 1000. Pamela Anderson-Page oder die 4711. Star Trek-Seite.
Übrignes: Private Homepages sind meistens ein Hobby (auch wenn sie noch so umfangreich sind) wie jedes andere - und jedes Hobby kostet Geld! Aber es würde z.B. kein Fotoamateur beim Vorführen seiner Urlaubsdias auf die Idee kommen, das Dia eines Sponsors einzublenden gemäß dem Motto: "Diese Diashow wurde auf Fuji-Film erstellt!".

Die Konsequenzen für den Anwender

Der Anwender kann nun selbst bestimmen, was er sehen will - und wieviel Bandbreite er vergeuden möchte. Er wird nicht mehr durch zusätzliche Pop Up-Windows genervt und kann - vor allem bei langsamen Verbindungen - schneller durch das Netz surfen. Er muß allerdings einkalkulieren, daß die eine oder andere Information verloren geht (z.B., daß er das Werbe-Banner für den neuesten Banner-Exchange nicht sieht). Er wird also hin und wieder seinen Bannerblocker abschalten (müssen). Insbesondere, da die Administratoren nichts unversucht lassen werden, die Ad-Killer auszutricksen.
Die Gefahr, daß sich das Angebot im Web (drastisch) verändern wird, sehe ich hingegen nicht. Schon gar nicht, daß SIEMENS das Netz übernehmen wird (das verhindert schon Bill Gates!).

Die Konsequenzen für die Webmaster

Die Designer von Homepages werden sich u.U. mehr Gedanken über die Art und Gestaltung ihres Angebotes machen müssen. Außerdem können sie davon ausgehen, daß ihre Banner auf weniger Seiten zu sehen sein werden. Dafür werden umgekehrt diejenigen, die sich die Banner anschauen gezieltes Interesse haben. D.h. die Banner-Werbung erfolgt zielgerichteter - und damit effektiver.

Fazit

Das Programm "Web Washer" wird im Internet keine großen Veränderungen bewirken. Nicht zuletzt deswegen, weil es nichts leistet, was nicht andere Programme schon (länger) können bzw. bereits integraler Bestandteil jedes Browsers oder jeder Firewall ist. Eine Copyright-Verletzung kann ich nicht festestellen, denn wenn das Ausfiltern von Werbung (oder anderen Inhalten) - bei dem nur die Ausgabe, nicht aber die eigentliche Seite verändert wird - eine Copyright-Verletzung darstellen würde, dann dürfte ich Commercials im Fernsehen nicht durch Umschalten auf einen anderen Kanal (oder gar durch "Auf's-Clo-Gehen") ignorieren, auf CDs keine Titelsprünge programmieren und den Sound auf Homepages (oder im TV) abstellen. Der Anwender nutz hier nur das verbriefte Recht, ungewünschte Inhalte zu unterdrücken (wie z.B. auch bei Spam-Blockern).
Ich halte daher die Aktion "Webmaster gegen Konzerne" (und erst recht manches Argument im Forum) für kindisch und den offenen Brief für überflüssig wie einen Kropf. Die einzige direkte Konsequenz dieser Kampagne wird eine Erhöhung der Klick-Rate auf den WebHits-Seiten sein! Vielleicht wird auch die eine oder andere Homepage, die sich auf der Linkliste eingetragen hat, davon profitieren.
Ich hätte es besser gefunden, wenn Peter Decker, dessen (kostenpfichtiges) Angebot ich für gut halte, statt dieser Hexenjagd auf SIEMENS, eine Kampagne gestartet hätte, die zum sinnvollen, überlegten Umgang mit Bannern etc. aufgerufen hätte. Vielleicht hätte man auf diese Weise bei den meisten Surfern Vesrtändnis für die (bedingte) Notwendigkeit von banner-finanzierten Seiten gefunden. So wird es aber eine Aktion Webmaster gegen Surfer, die keinem was nutzt.
Im übrigen ist nicht SIEMENS, der böse Bube. Wenn sich nämlich der "Web Washer" (oder die anderen) immer stärkeren Zuspruchs erfreut, dann zeigt dies nur, daß unter den Surfern ein Bedarf besteht, sich gegen Werbung zu schützen; vermutlich, weil immer mehr Seiten den Bogen überspannt haben...
 

Programme und Links:

WebWasher der Stein des Anstoßes (und einer der besten Anti-Junk-Proxies!)
@ Guard einfach zu konfigurierendes Programm (wurde von mir bisher eingesetzt)
RabbIt java-basiertes Proxy-Programm (entwickelt und getestet unter Linux/ Solaris), das es u.a. animated GIFs in Low-Quality-JPEGs umwandelt
NagBlaser schließt Pop-Ups automatisch (es sind sogar Tatsturkombinationen konfigurierbar, die ein Fenster schließen)
Close Popup 30 KB kleines Programm zum schließen von Pop-Up-Windows
Ad Off/ Pop Off  
Ad Wiper nur für den IE 4.0
Internet Junkbuster der Klassiker (Orginal-Seite)
Stephan Waldherrs Junkbuster die modifizierte Version - zeigt keine "Broken Images"
Informationen zum Junkbuster vom Internet-Magazin (deutsch)
Blockliste von Wolfgang Kynast (für deutsche Seiten optimiert)
Blockliste von Stephan Waldherr (optimiert für amerikanische Verhältniise)
Proxy Informationen von Rhein-Ruhr.De
Internet Tools/ Anwendungen von PC Direkt

Links zur Aktion

Wash And Stay die Gegenaktion von Dumpfbacke.de
ein Newsletter von Dr. Web/ Ideenreich
Top Link Dezember von Student Online (Fazit: "Dumm gelaufen")
Bericht in Spiegel Online Kommentar: "Auf, Genossen, entsichert die Mailbomben, sattelt die trojanischen Pferde, laßt die Würmer los - reiht euch ein und unterstützt die Aktion Webmaster gegen Konzerne."
Glosse von Telepolis, dem Newsdienst des Heise-Verlags. Titel: "Die skurrile Kritik der Geschäftsführerin Michaela Merz von germany.net "

 

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(Diese Seite wurde erstellt am 29.12.1998,
der letzte Update fand statt am 21.11.2004)


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